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Die richtige Mischung

Dass ein guter Mix einfach zu realisieren ist, wird wohl niemand ernsthaft behaupten wollen. Ein paar wichtige Punkte für das Aufnehmen und Abmischen von Instrumenten und Gesang sollen eine kleine Hilfe sein, um schon vor dem Mastering den bestmöglichen Sound zu erzielen. Natürlich werden die einen oder anderen sagen: “Kenn ich schon, weiß ich schon, hab ich schon”, aber da bei einigen Mischungen oftmals wiederkehrende Probleme auftauchen, hilft vielleicht der eine oder andere Hinweis.


Die Lebendigkeit des Sounds

Egal, welche Musik man aufnehmen will; der Weg, den die verschiedenen Audiosignale in den Rechner, oder auch auf andere Speichermedien nehmen, ist von größter Bedeutung. Tatsache ist, dass die allermeisten günstigen Mischpulte und Soundkarten / Audio-Interfaces keine vernünftigen Vorverstärker besitzen. In den meisten Fällen klingen sie etwas platt, haben keinen differenzierten Bass- und Mittenbereich und / oder sie machen den Sound hart und irgendwie leblos. Jeder der schonmal mit einem richtig guten Vorverstärker (Preamp), oder einem Channel-Strip (Preamp plus z.B. Kompressor) gearbeitet hat, wird ihn wohl nicht so schnell wieder hergeben wollen. Gerade Preamps mit Röhrentechnik punkten mit Druck, Transparenz, angenehmen Höhen und einer Durchsetzungskraft, die günstige Vorverstärker meist nicht bieten, die aber immer wichtiger wird, je näher man dem Endmix kommt. Ohne Frage sind auch gute Instrumente und gute Mikros an der richtigen Stelle eingesetzt, sehr wichtig, aber fehlt ein guter Preamp in der Signalkette, wird das Mischen umso schwieriger. Brauchbare Ergebnisse kann man sogar mit einigen röhrenbestückten Preamps im Keksdosenformat erzielen, die schon unter 50 € zu haben sind.

Wieviel Kompressor - Limiter-Einsatz braucht der Mix?

Nicht übertreiben ist vielleicht die Quintessenz. Nicht wenige Tonleute sagen: “Kein Kompressoreinsatz bei der Aufnahme!” Das kommt natürlich auch auf die Musik an, aber nicht umsonst haben sehr viele Channel-Strips (Vorverstärker für Mikrofon- oder Instrumentensignale) einen Kompressor an Bord. Für die Aufnahme am besten EQ´s und Kompressoren dezent einsetzen. Limiter sollte man ganz weglassen, die kommen eigentlich erst beim Mastern zum Zuge. Um Übersteuerungen digitaler Aufnahmegeräte zu vermeiden kann man sie sehr begrenzt einsetzen. Pumpen unter allen Umständen vermeiden. Bei den Attack-und Release-Werten sollte man sich von langen Attack-Zeiten und kurzen Release-Zeiten an die optimale Einstellung herantasten. Besonders zu kurze Attack-Einstellungen machen sich durch einen flachen, drucklosen Klang bemerkbar, der später ein gutes Master sehr erschwert. Bei zu kurzen Release-Zeiten wird das Signal zu schnell lauter, während der Klang bei zu langen Einstellungen bassärmer oder flacher wird, da der Bassbereich den Kompressor stärker “anfährt”. Außerdem gilt: Je härter die Musik, desto mehr muß man auf ähnliche Kompressionsraten achten! Die Schlagzeugmischung wird gegenüber zu stark komprimierten verzerrten Gitarrensounds immer untergehen. Das Schlagwerk braucht unbedingt einen gleichmäßig spielenden Drummer, der die Felle mit präziser Dynamik in der Mitte trifft, sowie sehr gute Kompressoren (Hard- oder Software), die stark begrenzen können, ohne dass der Sound platt wird, oder es zum Pumpen kommt. Stark verzerrte Gitarrensounds werden bis zum Mastering häufig gar nicht komprimiert, um so viel Dynamik wie möglich zu erhalten. Cleane Sounds dagegen werden nicht selten mit mehreren Kompressoren (evtl. plus Limiter) hintereinander, schon während der Aufnahme, bearbeitet, da sie oft sehr dynamisch sind und zum Clippen (Übersteuern) neigen.


Loudness war gestern - Equalizer-Einstellungen

Ein komplexes Thema, aber es sollte hier nicht fehlen! Während der Aufnahme sollte man darauf achten, dass falls man den EQ hier schon einsetzt, man nicht zu hart rangeht. Auf keinen Fall Frequenzen beschneiden, die man später noch brauchen könnte! Zum Beispiel kann es wichtig sein, bei den Overhead-Mikros der Drums keinen Hochpassfilter (Tiefe Frequenzen werden stark abgesenkt)  einzusetzen, da diese Frequenzen evtl. später für einen spezifischen Raumklang benötigt werden. Allgemein kann man sagen, dass während der Aufnahme nichts über- oder untertrieben werden sollte; das jeweilige Signal muß erstmal einigermaßen ausgewogen aufgezeichnet werden. Beim späteren Mixen kann man dann stärkere Klangkorrekturen vornehmen, aber hier gilt: Wenn man extrem an den Reglern schrauben muß, um einen halbwegs brauchbaren Sound zu erzielen, hat man vorher was falsch gemacht (keine Saiten auf der Gitarre, oder ähnliches). Es kann z.B. sein, dass ein Mikro einfach schlecht positioniert war, oder zu weit von der Klangquelle entfernt aufgestellt wurde, was zu einem indirekten und dünnen Klangbild führt. Ausnahmen können sein: Gesang, bei dem die typischen Präsenzen rauskommen sollen (manchmal über 6dB zwischen 4,5- und 10 kHz, je nach Stimmlage), oder Bassdrums, bei denen es oft nötig ist, das Wummern zwischen 400- und 650 Hz stark abzusenken.


Die richtige Abhöre - Das Monitoring

Was eigentlich gar nicht geht, ist Kopfhörer als einziges Monitorsystem zu nutzen. Es gibt natürlich ein paar Cracks, die das draufhaben, aber dann kennen sie ihre Mischung und ihre Kopfhörer ganz genau und können die verschiedenen Frequenzbereiche, die Effektanteile und die Stereoabbildung sozusagen auf Monitorboxen umrechnen. Und eben diese drei zuvor genannten Bereiche werden auf Kopfhörern anders dargestellt als auf Monitorboxen.

Ein weiteres Manko beim Abhören können zu kleine, “aufgeblasene” Boxen sein, die zu allem Übel auch noch einen eher bescheidenen Frequenzgang aufweisen. In vielen Fällen ist der Bassbereich oberhalb von 80- oder sogar 100 Hz stark angehoben, um die Defizite durch die Gehäuse- und Bassmembrangrößen zu kaschieren. Also was tun, wenn das Budget für die besseren Abhörlautsprecher fehlt? Vielleicht gibt es Möglichkeiten den Mix auf ganz unterschiedlichen Boxen (bei Bandkollegen, Freunden, Bekannten, im Hifi-Laden, etc.) Probe zu hören, damit man sich eine Quersumme des Sounds bilden kann.


Die Aufnahmeauflösung (Bittiefe & Samplerate)

Wenn es der Rechner (oder Recorder) hergibt, sollte man mit 24 Bit Wortbreite und 48 kHz Samplerate aufnehmen. Eine höhere Samplerate (außer vielleicht bei Super-Audio-CD´s o. ä.) ist eigentlich nicht nötig, denn mit 48 kHz lassen sich Frequenzen bis ca. 22 Khz (so hoch hört kein Mensch) abbilden. Die Bittiefe hat da schon mehr Bedeutung, denn sie ist quasi für die Lautstärkeabstufungen zuständig. Benutzt man hier 24- statt 16 Bit, kann man ruhig ein bißchen mehr Headroom bis zur Vollaussteuerung lassen und man beugt ggf. Verlusten vor (z.B. beim Konvertieren, oder durch schlechte AD-, bzw. DA-Wandler).